
In diesem Haus in Vallendar – heute die "Alte Goldschmiede" genannt – begann 1953 die Geschichte der Goldschmiede des Institutes der Schönstätter Marienbrüder unter der Leitung von Paul M. Rothgerber. Dies war der Beginn einer über Jahrzehnte andauernden Symbiose von tiefer religiöser Empfindung und handwerklicher Kunst.
Paul Rothgerber erhielt 1971 die Ernennungsurkunde zum Vorsitzenden des Meisterausschusses im Goldschmiedehandwerk und wurde wenig später zum Innungsobermeister gewählt.
Aus dem Wissen heraus, dass der Nachwuchs die neuen Wege gestalten wird, hat er sowohl auf berufspolitischer Ebene als auch in der eigenen Werkstatt die Jugend zukunftsweisend unterstützt. Mehr als 60 Jugendlichen wurde eine Ausbildung zum Gold- oder Silberschmied ermöglicht.
Eine umfangreiche und detailierte Aus- und Weiterbildung ist auch heute ein zentraler Schwerpunkt. Michael van Ooyen, heutiger Werkstattleiter, ist als Dozent bei der Handwerkskammer Koblenz und im Prüfungsausschuss für die Fortbildung zum Restaurator im Handwerk tätig. Auch durch seine Mitarbeit beim Zentralverband im Referat für Aus- und Weiterbildung trägt er berufspolitisch zur Qualitätssicherung bei.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Gold- und Silberschmiede zu einem Zentrum für sakrale Kunst weltweit. Hier angefertigte Kirchenkunst in Form von liturgischem Gerät findet sich auf allen Kontinenten. Auch komplette Kirchenräume wurden wie z.B. in Luxemburg, Deutschland und Schweden ausgestattet.
Doch im besonderen bei der Restaurierung der manchmal Jahrhunderte alten sakralen Kunst ist ein fundiertes Wissen und die Beherrschung der alten Techniken Voraussetzung. Um etwa Schäden erkennen, beurteilen und beheben zu können. Durch die Größe der Werkstatt und deren umfangreiche Ausstattung ist es möglich fast alle dieser alten Techniken auszuführen. So können fehlende oder defekte Teile ergänzt oder ersetzt werden.
Ebenso wichtig ist es, sich mit neuen Techniken und Verfahrensweisen auseinander zu setzen um die größt mögliche Authenzität der Stücke zu erhalten. Für die Veredelung der Oberflächen stehen uns eine galvanische Versilberung/Vergoldung und auch die Feuervergoldung zur Verfügung.
Die Sicherung und Erhaltung der alten oder historischen Substanz hat oberste Priorität. Folglich ist eine intensive Zusammenarbeit mit den zuständigen Konservatoren der einzelnen Bistümer, speziell bei historisch wertvollen Kunstwerken sehr wichtig.
Zum vorbeugendem Schutz der liturgischen Geräte werden in unserem Hause regelmäßig Seminare angeboten, die aufklärend über den Umgang und die Pflege der betroffenen Objekte informieren. Hier sind in erster Linie Personen wie etwa Küster angesprochen, die in besonderer Weise mit der Pflege der Gegenstände betraut sind.
Mehrwöchige Ausstellungen, stattfindend auf unserem Werkstattgelände, enstehen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstlern – Malern, Bildhauern etc – und geben einen interessanten Einblick in die Kombinationsmöglichkeiten der unterschiedlichen Materialien und Gewerke.
Mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wurde am Samstag, dem 27.11.2010 die Goldschmiede und Kunstwerkstätte der Schönstätter Marienbrüder in der Mainzer Staatskanzlei durch Ministerpräsident Kurt Beck ausgezeichnet.